Vom Frust zur Neugier
Wie wir Scheitern im Alltag als Labor nutzen und im Yin Yoga als Labor nutzen!
Du kennst das doch bestimmt auch, oder? Brotbacken ist einfach meine absolute Herbst- und Winterbeschäftigung. Letztes Jahr lief das Ganze auch super erfolgreich – ich habe reihenweise richtig tolle Brote gebacken und dachte mir für diesen Start: Ach, tauschst du das normale Mehl einfach mal gegen Vollkornmehl aus, gibst einen Schluck mehr Wasser dazu, und alles wird gut!
Nein. Leider absolut nicht.
Neulich beim Anschneiden traf mich fast der Schlag: Völlig sauer! Das Vollkornmehl hat eben ganz anders gegärt als das Mehl, das ich sonst gewohnt bin. Meine erste Reaktion? Frustration pur.
In solchen Momenten ertappe ich mich sofort dabei, wie ich flach atme oder unbewusst die Luft anhalte. Der Ärger sitzt erst mal fest. Genau deshalb ist mein erster, ganz wichtiger Schritt das Innehalten.
Ich nutze meinen Atem dann wie einen kleinen Notanker: Ich atme tief ein, halte kurz die Luft an und atme hörbar und kraftvoll über den Mund aus. Ein echtes Seufzen hilft mir ungemein, diesen ersten körperlichen Druck abzugeben. Natürlich ist der Frust damit nicht sofort weg – dieser Shift von purem Ärger hin zu echter Neugier braucht einfach einen Moment. Der passiert eben nicht auf Knopfdruck.
Doch wenn sich der erste Sturm legt, wandelt sich der Rückschlag langsam. Ich fange an, die Situation wie ein Mini-Labor zu betrachten. Ich analysiere meine Variablen – Gärzeit, Temperatur, das eigensinnige Vollkornmehl –, um genau herauszufinden, was da eigentlich passiert ist. Sobald ich in diesen Forscher-Modus schalte, fällt der Leistungsdruck ab. Die Neugier übernimmt. Und genau die hält mich am Ball. Am kommenden Wochenende starte ich meinen nächsten Versuch. Diesmal gehe ich wieder zurück zu meinen bewährten Parametern vom letzten Jahr, um genau zu vergleichen, wo die Stellschrauben liegen!
Genauso halte ich es übrigens auch auf meiner Yogamatte. Oh, wie gut das getan hat: Gestern war ich nach einer langen Sommerpause endlich wieder bei meiner Yogalehrerin Helga in einer Yin-Yoga-Stunde – volle 90 Minuten nur Zeit für mich! Das Thema war das Element Erde und die Öffnung der Körpervorderseite. Nach all den Kilometern auf dem Rad und dem langen Sitzen bei der Büroarbeit kam das einfach wie gerufen. Ich habe in den Haltungen richtig die Ansatzpunkte der Muskulatur und der Faszien gemerkt, besonders zwischen den Hüftschaufeln, dem Trochanter und den Schlüsselbeinen.
Denn auch Yin Yoga ist für mich ein echtes Labor. Hier geht es doch null um starre Perfektion oder darum, wie eine Haltung von außen aussieht. Ganz im Gegenteil: Jede einzelne Yin-Position erforsche ich von innen heraus. Ich spüre den feinen Empfindungen nach, beobachte neugierig, wo und wie sich etwas in meinem Körper zeigt, und lasse Schritt für Schritt los.
Und weißt du, was der allergrößte Zauber dabei ist? Wenn dieses kleine Experiment in einem echten Erfolgsergebnis mündet – sei es die perfekte Kruste im Ofen oder eben diese tiefe, wohltuende Weite im Körper nach einer intensiven Yin-Einheit.
Diese Belohnung stärkt mein Vertrauen ungemein. Sie erinnert mich immer wieder daran, dass Rückschläge keine Sackgasse sind, sondern einfach nur der nächste spannende Versuchsaufbau.
Worin darfst du heute neugierig sein?



